Im Sommer kommen die Bibliotheken an die frische Luft

Während der gesamten Sommerferien ziehen die französischen Bibliotheken ins Grüne. Bücher und Comics strömen in die Parks und öffentlichen Gärten der großen Städte, aber auch an die 2.000 Kilometer lange französische Küste, von der Côte d’Opale bis ans Mittelmeer. Manche Strände kann man sich ohne ihre „Lesehäuschen“ schon gar nicht mehr vorstellen.

© Dpt76 – A. Aubry

 

 

 

 

 

 

 

Sie sind rot-weiß-orange und vor dem blauen Hintergrund des Meeres und des Sommerhimmels praktisch unübersehbar. Die Holzhäuschen der Aktion Lire à la plage (Am Strand lesen) in den Farben des Generalrats des Départements Seine-Maritime zieren zwölf Strände der Côte d’Albâtre, von Tréport bis Le Havre. Das Projekt wurde 2006 in drei Gemeinden gestartet und hat sich schnell auf die umliegenden Badeorte ausgebreitet. Aktuell stehen den Urlaubern an sieben Tagen pro Woche von 11 bis 19 Uhr 12.000 Bücher zur Verfügung. „Wir nutzen die Ferienzeit, um auch den Leuten die Freude am Lesen näherzubringen, die während des restlichen Jahres nicht unbedingt eine Bibliothek aufsuchen“, erklärt Constance Bird von der Kommunikationsabteilung des Generalrats, denn die Förderung des Lesens in der Allgemeinheit fällt in den Zuständigkeitsbereich der Départements.
2010 erhielt die Aktion den Grand prix Livre-Hebdo des bibliothèques in der Kategorie „Innovation“. Dieses Jahr wurden im Rahmen von Resozialisierungsmaßnahmen zwei neue Lesehäuschen gebaut. Die Bilanz von 2013 zeigt an, dass die Nutzung in den letzten zwei Jahren um 15 Prozent gestiegen ist und es seit 2006 fast eine halbe Million Besucher gab. Aufgrund des großen Erfolgs wurde Lire à la plage zum Thema einer Abschlussarbeit im Studiengang Bibliotheksverwalter. Darin weist die Verfasserin Brigitte Groleau darauf hin, dass das Phänomen der Strandbibliotheken in den letzten Jahren zwar stark zugenommen hat, eigentlich aber bereits 1989 mit der Initiative des Kultusministeriums Les arts au soleil begann, die darauf abzielte, die Küsten mit Kunstaktionen zu beleben.

Kaum verpflichtendes Einschreibeverfahren

Seither haben zahlreiche Sommerbibliotheken das Licht der Welt erblickt, mit Namen wie Une plage à la page im Pas-de-Calais, Pages à la plage in Cannes, Lire à l’air libre in Le Havre oder auch Lire au lac in Clermont-Ferrand und Carcassonne, ja sogar Lire à la piscine in Paulhan und Saint-Mathieu-de-Tréviers. Woraus sie auch bestehen mögen – aus Häuschen, Holz- und Strohhütten oder Hängematten, ob aus lang- oder kurzlebigem Material –, das Einschreibeverfahren ist so wenig verpflichtend wie möglich (Name und Personalausweis genügen), die Ausleihe ist gratis. Der Katalog umfasst Romane, Jugendbücher, Comics, die Presse, vor allem Magazine – die besonders gefragt sind –, und Informationen über die Region. Das kostenlose Veranstaltungsprogramm besteht aus Lesungen, Märchenstunden, Autorenbegegnungen und Schreibwerkstätten und trägt dazu bei, das Publikum zu binden. Die Häuschen werden von Familien übrigens oft als Treffpunkt genutzt …

„Das Projekt wirkt sich positiv auf die Einschreibungen aus“, versichert Cathy Jannel, die Verantwortliche für Aktionen und Kulturvermittlung der Mediathek von Pas-de-Calais. Nachdem das Département schon gut 20 Jahre Erfahrungen mit Strandbibliotheken hat, konzentriert es sich nun auf das digitale Lesen. 2015 sollen die Freiluftbibliotheken mit Unterstützung der Fondation de France durch Container ersetzt werden, die von einem amerikanischen Künstler umgestaltet wurden. Im Hérault entschied man sich für „nachhaltige“ Strohhütten, die an den Stränden von Carnon und Frontignan aufgestellt werden. „Wir verlangen nichts von den Nutzern, wir beschränken uns lediglich darauf, sie zu zählen, um sie in keiner Weise abzuschrecken oder zu etwas zu verpflichten“, erklärt Mélanie Villenet-Hamel, die Leiterin der Mediathek des Départements.

Eins ist sicher, die Küstenlandschaft und das Wellenrauschen laden dazu ein, nicht nur ins Meer, sondern auch in gute Bücher einzutauchen, und lassen sich wunderbar mit einer aufmerksamen Lektüre vereinen. Dazu passt auch die poetische Antwort eines jungen Urlaubers, den Brigitte Groleau auf der Terrasse eines Lesehäuschens befragte:

„Wieso hast du dich hier draußen niedergelassen?“

„Ich wollte das Meer sehen.“

„Kann man das Meer sehen, während man liest?“

„Ja!“

Übersetzung: Marion Herbert
Copyright: Goethe-Institut Frankreich
Juli 2014

 

 

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